
Was unser Stadtwappen erzählt
von Otto Weber
Am 5. August 1930 teilte der damalige' hessische Innenminister Wilhelm Leuschner der Gemeinde Ober-Ramstadt mit, dass auf "ihr Nachsuchen die Führung des in beifolgender Urzeichnung dargestellte und nachstehend beschriebene Wappen erteilt wird: In Silber eine grüne Rosenstaude mit drei roten Rosen". Es ist sicher, dass sich der hessische Innenminister für diese Wappenbeschreibung der Aussage von Fachleuten aus einem der Staatsarchive versicherte.
Die älteste mir bekannte Zeichnung des Wappens befindet sich auf dem Pergamenteinband einer Urkunde aus dem 16. Jahrhundert und ist untenstehend abgebildet.
Dass es sich um Rosen handelt, ist in der einschlägigen Literatur zur Heraldik leicht nachzuweisen. Ihre fünfblättrige Grundform ist von der Heckenrose abgeleitet. Die Verwendung von drei Blüten ist sicher auf die Zugehörigkeit von Ober-Ramstadt zum Bannforst Dreieichenhain zurückzuführen. Mehrere Gemeinden, die zu diesem Bannforst gehörten, wie z. B. Langen, haben drei Eicheln im Wappen. Stellt sich also die Frage, warum in Ober-Ramstadt anstelle der drei Eicheln drei Rosen verwendet wurden.
Diese Frage führt uns zu einer wichtigen Gegebenheit unserer Stadtgeschichte. Die Vorläuferin unserer heutigen Kirche war bis zur Reformation der Maria geweiht. Die Glocke dieser Kirche ist erhalten. Sie trägt in lateinischer Sprache die Umschrift: "Sei gegrüßt, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir". Zusätzlich gibt es in Grenzbeschreibungen den Hinweis auf einen "Heiligen Born" in der Nähe der Kirche. Dabei handelt es sich um eine heilige Quelle, die zu einer Marienkirche gehörte und schon in vorchristlicher Zeit als Heiligtum verehrt wurde.
Aber auch für Eberhard I., der die Stadtrechte für Ober-Ramstadt erwirkte, gibt es Verbindungen zur Rose. Dazu zitiere ich aus einer wissenschaftlichen Publikation aus dem Kloster Eberbach: "Das Eberhards Figur umrahmende Weinlaub und die Rose in den oberen Zwickeln (Abbildung) verbinden sich zum gemeinsamen Symbol Christi und der Gottesmutter ( ... ) Rosen und Weinlaub sind nicht nur in der Eberbacher Bauplastik 'immer wiederkehrender Schmuck ( ... )".